Energie im Haushalt

Die Energiewende ist in aller Munde und natürlich bin ich erfreut darüber, dass erneuerbare Energien (und insbesondere Photovoltaik) sehr beliebt sind. Doch wie und wofür verwenden wir die Energie die wir verbrauchen? Wie können wir sie besser und effizienter nutzen?

Oft wird bei der Betrachtung des Energiebedarfs lediglich die elektrische Energie herangezogen. Das mag daran liegen, dass wir unterschiedliche Energieträger in unterschiedlichen Einheiten messen: Elektrischen Strom in kWh (hier ist Joule als Einheit für Energie nur umständlich geschrieben), Heizöl oder Benzin in Litern oder Gas in Kubikmetern. Auch Kohle oder Holz werden nach Masse bzw. Volumen gehandelt. Der Bezug zur enthaltenen Energie muss erst hergestellt werden (siehe Tabelle 1).

Hier sollte eine Tabelle mit Preisen eingier Energieträger zu sehen sein
Tabelle 1

Diagramm 1 zeigt die Zusammensetzung und die Entwicklung des privaten Energieverbrauchs in Deutschland (ohne Energie für Transport) von 1990 bis 2009 in Terawatt-Stunden (TWh). 1 TWh entspricht 1 Milliarde kWh. Eine gewaltige Energiemenge...

Hier sollte ein Bild des privaten Energieverbrauchs zu sehen sein
Diagramm 1

Doch wofür wird diese Energie verwendet?

Privater Energieverbrauch nach Verwendung
Diagramm 2

Diagramm 2 zeigt deutlich, dass der Löwenanteil der verbrauchten Energie auf die Raumheizung entfällt. Abhängig vom verwendeten Energieträger und auch von der Art der Heizung entstehen recht unterschiedliche Kosten. Da ein Liter Heizöl 10 - 11 kWh "enthält" relativiert sich der derzeitige Preis von 70 - 80 Ct: Die kWh Heizöl ist somit für 7 - 8 Ct zu haben, im Gegensatz zur kWh Strom, die im Bundesdurchschnitt mit über 22 Ct zu Buche schlägt. Eine deutliche Senkung des Energiebedarfs für die Heizung kann durch Wärmedämmung des Gebäudes und/oder Einbau einer effizienteren Heizanlage erzielt werden. Wände, Dach und Fenster sind bei einem alleinstehenden Einfamilienhaus für 40 - 60% der Wärmeverluste zuständig. Bei den heutigen Energiepreisen ist eine Modernisierung oftmals eine lohnende Investition.

Ein zweiter, völlig anderer Ansatz, ist die Umstellung des Heizungskonzepts auf eine Niederspannungs-Infrarot-Heizung. Wer jetzt an eine rotglühende Drahtwendel denkt, liegt völlig falsch. Bei der NIR-Heizung handelt es sich um flächige Infrarotstrahler, die mit Niederspannung betrieben werden und am sinnvollsten an der Raumdecke angebracht werden. Die Strahler glühen nicht, da die Energie ausschließlich im Infrarotbereich abgegeben wird. Im Gegensatz zur herkömmlichen Konvektionsheizung wird mit diesen Strahlern nicht die Raumluft erwärmt, sondern praktisch nur die Personen und Dinge im Raum. Die Luft ist weitestgehend "durchlässig"für die Infrarotstrahlung. Neben anderen Vorteilen wie z.B. das problemlose Beheizen hoher Räume und einer angenehmeren Wärme, bringt dieses neuartige Heizkonzept eine Reduktion der notwendigen Heizenergie um bis zu 60% mit sich.
Würden Sie also eine solche Heizung mit Netzstrom betreiben, ergäben sich lediglich Mehrkosten von ca. 10% gegenüber einer konventionellen Heizung. Richtig interessant wird die Sache aber, wenn eine NIR-Heizung mit selbsterzeugtem Strom betrieben wird. Dann führt die staatliche Förderung des selbst verbrauchten Stroms zu einer Senkung der Energiekosten für das Heizen um bis zu 40%.
Wenn Sie Ihren Strom allerdings mittels Photovoltaik erzeugen, gibt es auch hier eine Einschränkung: Die Heizung wird hauptsächlich dann gebraucht, wenn die Photovoltaik am wenigsten Energie erzeugt: Im Winter.
Zwar liesse sich der Ertrag in den Wintermonaten dadurch steigern, dass die Module steiler angestellt werden (dann produzieren sie im Sommer weniger aber in den Wintermonaten abhängig vom Anstellwinkel um bis zu 15% mehr) aber auch dann wäre für einen 100%-Solarstrombetrieb der Strahlheizung eine große Fläche notwendig. Es ist also wahrscheinlich, dass derartige Anlagen teilweise auf Netzstrom zurückgreifen müssen. Trotzdem ist der Ansatz unter ökologischen wie ökonomischen Aspekten interessant.

Auch bei der Warmwasserbereitung entstehen durch die Art des verwendeten Energieträgers unterschiedliche Kosten. Aber auch bei der Bereitung mittels Zentralheizung gibt es noch Sparpotential: Gegebenenfalls lohnt sich der Betrieb eines Sonnenkollektors, der das Wasser mit der Kraft der Sonne aufheizt. Das funktioniert mit der entsprechenden Technik auch im deutschen Winter ganz ordentlich und mindert die laufenden Kosten.

Für die restlichen ca. 12% des Energiebedarfs sind ausschließlich elektrische Verbraucher zuständig. Da - wie bereits erwähnt - die gleiche Energiemenge durch Netzstrom aber ungefähr 2,7 mal so teuer ist, wie z.B. durch Heizöl, verursachen diese 12% des Energiebedarfs bei Verwendung einer "klassischen" Heizanlage und Fremdbezug des Stroms rund ein Drittel der Energiekosten. Insofern lohnt sich eine genauere Betrachtung, wie hier "geknausert" werden kann.
Dazu gibt es zwei Ansätze:

  1. Steigerung der Effizienz
  2. Senkung der laufenden Stromkosten

Die Effizienz kann z.B. dadurch gesteigert werden, dass alte Elektrogeräte durch energiesparendere Modelle ausgetauscht werden. Hier sind insbesondere Kühlschränke und Gefriertruhen /-schränke zu nennen. Die Einsparungen sind teils enorm und führen zu einer raschen Amortisation der Neuanschaffung.
Bei manchen Haushaltsgeräten sollte man sich auch fragen, ob die Leistung wirklich notwendig ist. Muss z.B. ein Föhn wirklich 2000W Leistungsaufnahme haben?
Ein weiterer Punkt ist die Beleuchtung: Hier kann an den Verbrauchskosten drastisch gespart werden. Zwar ist die klassische Glühbirne im Aussterben begriffen, aber eine LED-Leuchte ist nochmals deutlich stromsparender als die derzeitigen Energiesparlampen. Dem durchschnittlichen Verbraucher fehlt hier allerdings schlicht die Erfahrung in der Beurteilung der neuen Leuchtmittel.
Früher war klar, wie hell eine 100W-Birne ist. Das es sich bei den 100W um die Leistungsaufnahme und nicht um die Lichtausbeute handelte, war nicht weiter wichtig, da es ja nur Glühbirnen gab.
Der richtige Vergleichsmassstab sind hier die abgestrahlten Lumen, der Abstrahlwinkel und die Farbtemperatur des Lichts. Wer die Wahl hat, hat die Qual...
Diagramm 3 zeigt einen Vergleich der Lichtausbeute einiger Leuchtmittel.

Lichtausbeute unterschiedlicher Leuchtmittel
Diagramm 3

LED-Leuchten machen aus eine Watt Leistung bis zu 14 mal mehr Licht als eine herkömmliche Glühbirne. Außerdem halten LED-Leuchten angeblich bis zu 50.000 Betriebsstunden. Das entspricht ca. 5,7 Jahren Dauereinsatz.
Es darf aber nicht verschwiegen werden, dass die Kosten der LED-Leuchten derzeit noch recht hoch sind. Sie sollten also rechnen, bevor Sie Ihr gesamtes Haus mit LEDs bestücken. Es ist jedoch absehbar, dass die Preise fallen bzw. bei gleichbleibendem Preis mehr Leistung zu erwarten ist.
Die zweite Möglichkeit Ihre Stromkosten zu senken, besteht in der weiter oben bereits erwähnten eigenen Stromerezugung. Diesen Strom können Sie ins Netz einspeisen (Volleinspeisung) oder ihn selbst verbrauchen (Eigenverbrauch). Dazu gibt es diverse Möglichkeiten, wie Windräder, Biogasanlagen etc. Für die meisten unter uns ist jedoch der Einstieg in die Photovoltaik am einfachsten zu realisieren. Aber auch hier gibt es mehrere Möglichkeiten: Volleinspeisung (hier wird der komplette solar erzeugte Strom zu einem für 20 Jahre festgeschriebenen Preis an den Netzbetreiber verkauft) oder ein hoher Eigenverbrauchsanteil. Sollten Sie mit Ihrem Strom eine oben beschriebene NIR-Heizung betreiben, steigt der Eigenverbrauchsanteil an, was sich über die Förderung für Sie bezahlt macht.
Der Solarrechner ermöglicht Ihnen eine erste Abschätzung, was für Sie günstiger ist. In den meisten Fällen wird dies ein erhöhter Eigenverbrauchsanteil Ihres eigenen Solarstroms sein. Der Grund hierfür sind die steigenden Stromkosten: Während die Einspeisevergütung im Lauf der Zeit fix bleibt und so irgendwann vom Strompreis überholt wird, erhalten Sie für den selbst verbrauchten Strom eine verringerte Vergütung, sparen aber im gleichen Maße den teuerer werdenen Netzstrom ein. In der Regel ist für einen hohen Eigenverbrauchsanteil - abhängig von Ihrem Energielastprofil - ein Batteriepuffer nötig ist. Um den Eigenverbrauchsanteil um einige Prozentpunkte anzuheben, kann dieser meist relativ klein und entsprechend preiswert ausfallen. Wollen Sie komplett netzunabhängig sein, wird der notwendige Puffer jedoch sehr groß werden.

Kalkulieren Sie diese Möglichkeiten trotzdem einmal durch.
Oder wenden Sie sich damit z.B. an die Mirasol GmbH.

Laut Angaben in der Broschüre "Energie in Deutschland" (herausgegeben vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie) hatten private Tarifkunden im Zeitraum von 2000 bis 2009 einen Strompreisanstieg von 53,2% zu "verdauen". Macht einen jährlichen Anstieg von 4,8% !
Sollte sich die Preisentwicklung fortsetzen, werden sich heutige Mehrkosten in Zukunft rasch bezahlt machen.

Quellen:
Daten zu Tabelle 1:Wikipedia.org
Daten zu Diagramm 1:"Energie in Deutschland"(BMWI)
Daten zu Diagramm 2:Wikipedia.org
Daten zu Diagramm 3:www.energie-bewusstsein.de
*Energie im Haushalt
*Grid Parity